App oder Website? Warum die nervigste Frage im Kickoff die wichtigste ist

App oder Website? Warum die nervigste Frage im Kickoff die wichtigste ist

Eine App, ein Feature, ein KI-Assistent. Bevor wir darüber reden, wie wir es bauen, fragen wir, ob es das überhaupt braucht. Warum das kein Misstrauen ist.

Eine App, ein Feature, ein KI-Assistent. Bevor wir darüber reden, wie wir es bauen, fragen wir, ob es das überhaupt braucht. Warum das kein Misstrauen ist.

Porträt von Marc Siefert

Marc Siefert

Director Product & UX

4min Lesezeit

Strategy & Ways of Working

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Eine meiner häufigsten Fragen im Kickoff für ein neues Projekt ist wahrscheinlich auch eine der nervigsten: Braucht es das? Das klingt erstmal ziemlich banal, und wenn ich sie stelle, bin ich trotzdem häufig der Erste, der das in diesem Projekt mal gefragt hat.

Bei Silberpuls geht es dabei meistens um App oder Website, manchmal um ein einzelnes Feature, und seit einer Weile ziemlich oft um irgendetwas mit KI. Hier steht, warum wir diese Frage trotzdem jedes Mal stellen, warum sie kein Misstrauen gegenüber eurer Idee ist und warum die Antwort am Ende ausdrücklich auch Ja lauten darf.

Wie das im Kickoff aussieht

Wir hatten zum Beispiel ein Unternehmen, das neben dem neuen Gesamtauftritt auch eine App wollte, und statt über Plattformen und Zeitpläne zu reden, haben wir gemeinsam erstmal genauer hingeschaut. Was soll die App eigentlich lösen? Für wen genau? Und braucht es dafür wirklich eine App? Am Ende war die Antwort Nein, eine gute Website reicht.

Das ist keine besonders heldenhafte Geschichte, und genau deshalb erzähle ich sie: Niemand im Raum war schlauer als die anderen, die Frage war bis dahin nur nie gestellt worden, weil die App irgendwann in einer Präsentation gelandet war und seitdem einfach dazugehörte. So etwas passiert in ziemlich vielen Projekten, und weil es meistens erst beim Bauen auffällt, hängen dann schon Zeitplan, Budget und ein paar Erwartungen daran.

Die Nielsen Norman Group argumentiert seit Jahren in dieselbe Richtung, nämlich dass eine App sich vor allem dann lohnt, wenn der Anwendungsfall wirklich mobil ist und oft wiederholt wird, und dass eine gut gemachte Website sonst der günstigere und robustere Weg ist. Es gibt aber eben auch den anderen Fall, in dem eine App genau richtig ist: In unserer Arbeit an der BVB-App war nie die Frage, ob es sie braucht, sondern nur, was sie können muss.

Warum wir das überhaupt fragen dürfen

Ich glaube, genau solche Fragen sind ein wichtiger Teil unserer Arbeit als Agentur. Wir kommen von außen rein und wissen erstmal ziemlich wenig, und das ist auch gut so. Denn dadurch fragen wir auch bei Dingen nochmal nach, die eigentlich längst klar scheinen, und in einem Unternehmen macht das nach ein paar Monaten niemand mehr, weil die Entscheidung dort inzwischen zum Inventar gehört.

Das ist übrigens kein Misstrauen gegenüber der Idee und erst recht keine Ausrede, um weniger zu bauen. Eine Agentur, die alles nickt, was im Briefing steht, verdient kurzfristig mehr und liefert am Ende ein Produkt, über das sich niemand traut zu sagen, dass es keiner benutzt. Deswegen steht die Frage bei uns am Anfang und nicht in der Retrospektive.

Und sie hat einen angenehmen Nebeneffekt, den wir bei Silberpuls inzwischen fest einplanen: Sobald jemand sie einmal ordentlich beantwortet hat, ist die Entscheidung im Team begründet und nicht mehr nur vorhanden, und das hilft später bei jeder Diskussion darüber, was in die erste Version gehört und was erst in die zweite.

Gerade bei KI

Gerade bei KI finde ich das ziemlich relevant, weil technisch plötzlich sehr viel geht und man entsprechend schnell bei Fragen landet wie: Können wir KI hier einbauen? Können wir das automatisieren? Können wir dieses Feature bauen? Kann man alles fragen, und die Antwort lautet inzwischen fast immer ja.

Aber vorher würde ich wahrscheinlich einmal die nervige Frage stellen: Braucht es das? Denn ein Assistent, der auf einer Seite sitzt, auf der die Leute eigentlich nur eine Telefonnummer suchen, ist kein Fortschritt, sondern ein zusätzliches Fenster, das man wegklicken muss. Unsere KI-Prinzipien fangen deshalb nicht bei den Modellen an, sondern bei der Frage, welches Problem das Ding lösen soll.

Das Ehrliche daran ist, dass die Antwort auch hier oft Ja lautet, nur eben für etwas anderes als gedacht: Aus dem Chatfenster wird dann eine bessere Suche, sauberere Daten oder ein Formular, das die Hälfte der Felder von allein ausfüllt. Das fällt anschließend niemandem als KI auf, obwohl genau dort der Nutzen sitzt, und ehrlich gesagt ist das auch der Teil, den wir am liebsten bauen.

Was das für euer nächstes Projekt heißt

Wenn ihr ein Projekt startet, dann schreibt zu jedem großen Baustein einen Satz dazu, welches Problem er löst und für wen genau. Überall da, wo dieser Satz nicht zustande kommt, habt ihr entweder das Problem noch nicht verstanden oder braucht den Baustein eben nicht, und beides wisst ihr besser vor dem Angebot als hinterher im dritten Sprint.

Das Zweite ist unbequemer: Fragt bei den Dingen nach, die alle für geklärt halten. Die App, das Portal, der Login, die zweite Plattform für den Innendienst. In Webprojekten ist das oft der Posten, der den Zeitplan trägt, und wenn er fällt, wird der Rest besser statt kleiner.

Und wenn ihr schon live seid, hilft ein Blick auf die Nutzung mehr als jede Diskussion. Ein UX Audit zeigt ziemlich schnell, welche Bereiche wirklich benutzt werden, und es ist erstaunlich, wie oft das teuerste Feature im Produkt das einsamste ist.

Wir kommen von außen rein und wissen erstmal ziemlich wenig, und das ist auch gut so.

Marc Siefert

FAQs

Ist das nicht einfach eine Ausrede, um weniger zu bauen?

Nein, denn die Antwort lautet in vielen Fällen trotzdem Ja. Der Unterschied ist, dass sie danach begründet ist und im Projekt jeder erklären kann, warum es dieses Ding gibt. Wenn wir etwas rausstreichen, landet das Budget übrigens in der Regel an einer anderen Stelle im selben Projekt.

Wir haben die Entscheidung doch schon getroffen. Fangen wir jetzt von vorne an?

Nicht von vorne, es dauert meistens zwanzig Minuten. Wir fragen, welches Problem gelöst werden soll, für wen, und woran ihr merken würdet, dass es funktioniert hat. Wenn die Antworten sitzen, sind wir durch und bauen genau das.

Woran erkennt man, dass es wirklich eine App braucht?

Grob gesagt daran, dass der Anwendungsfall wirklich mobil ist, oft wiederholt wird und etwas vom Gerät braucht, also Push, Kamera, Standort oder Offline-Betrieb. Wenn davon nichts zutrifft, ist eine gute Website fast immer der schnellere und günstigere Weg.

Braucht euer Projekt wirklich, was drinsteht?

Finden wir im Kickoff gemeinsam heraus.

Webdesign für Unternehmen, die erst die Frage klären und dann bauen.

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Ein UX Audit, das zeigt, welche Features überhaupt benutzt werden.

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Unsere KI-Prinzipien, inklusive der Frage, wann wir davon abraten.

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Wie können wir helfen?
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Line illustration of a hand holding a card
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