Was lief da schief
Mein Verständnis von Agenturen ist das einer Dienstleistung. Dienen und leisten. Wir haben das ziemlich tief in die DNA von Silberpuls gebacken und wollen sicherstellen, dass Projekte erfolgreich werden. Nicht nur, weil wir Geld verdienen wollen (oder auch?), sondern weil ich überzeugt bin, dass man sich im Leben meistens zweimal sieht. Ich will, dass du happy bist und wiederkommst. Nicht, weil ich dich knebeln will.
Trotzdem ist ein erheblicher Teil der Unternehmen oder Produkte, mit denen wir gearbeitet haben, irgendwann gescheitert. Dafür gibt es nicht den einen Grund. Aber es gibt Muster. Und die wiederholen sich erstaunlich zuverlässig.
Zu wenig Geld ist selten nur ein Rechenfehler
Fehlendes Geld ist sicherlich ein Kerngrund. Viele Gründer unterschätzen, wie teuer ein Unternehmen im laufenden Betrieb ist. Unsere Agentur hat praktisch keinen Materialeinsatz und trotzdem monatliche Kosten, die bis in eine sechsstellige Summe gehen. Hättest du das gedacht?
Ein Produkt zu bauen, ist nur der erste Teil der Rechnung. Das kann eine Website, eine Marke oder ein SaaS-Tool sein. Danach beginnt der Betrieb: Technologie muss gewartet, Content produziert, Support beantwortet, Marketing bezahlt und das Produkt weiterentwickelt werden. Wer nur bis zum Go-live kalkuliert, plant eine Einweihungsparty für ein Haus, dessen laufende Kosten niemand bezahlen kann.
Besonders häufig fehlen zwei Positionen:
Weiterentwicklung. Gute digitale Produkte brauchen eine Launch-Storyline. Was kann V1, was folgt in V1.1 und was soll V2 leisten? Nutzer reagieren anders als gedacht, Märkte verändern sich und technische Abkürzungen melden sich später zurück. Du musst dranbleiben.
Marketing. Du hast gedacht: einfach launchen und die Kunden kommen schon. Upsi. Leider nein. Sichtbarkeit, Vertrieb und Vertrauen entstehen nicht automatisch, nur weil ein Produkt jetzt eine URL hat.
Das bedeutet nicht, dass jedes Unternehmen riesige Reserven braucht. Es bedeutet, dass Produktumfang, Geschäftsmodell und finanzieller Atem zusammenpassen müssen. Eine kleinere, klarere erste Version kann vernünftiger sein als ein beeindruckendes Produkt, das drei Monate nach dem Launch verhungert.
Hier beginnt unsere Produktstrategie und MVP-Design. Wir klären mit dir, welches Problem die erste Version lösen muss und was noch warten kann. Daraus werden priorisierte Abläufe und ein Prototyp, an dem sich Annahmen prüfen lassen. So wird aus „Wir hätten gern alles“ ein Umfang, den du bauen, bezahlen und anschließend weiterentwickeln kannst.
Der blinde Fleck gehört mit ins Budget
Gründer haben meistens eine gute Sammlung an Skills im eigenen Oberstübchen. Dazu kommen manchmal komplementäre Mitgründer, die andere Dinge gut können. Ich habe Silberpuls ohne einen solchen Co-Gründer aufgebaut. Das macht manches einfacher. Es bringt aber auch eine fehlerhafte DNA mit sich.
Ich kann mich beispielsweise gut in Kunden hineinversetzen, sowohl in Gründer als auch in deren Endkunden. Ich kann antizipieren, was wirklich zählt, das große Ganze sehen und gutes von schlechtem Design unterscheiden.
Ich kann zum Beispiel gar nicht gut rechnen. Ziemlich blöd als Unternehmer. Steuern sind mir zu kompliziert, glücklicherweise habe ich meine Frau. Und Designen können andere bei Silberpuls besser als ich.
Das Problem ist nicht, einen blinden Fleck zu haben. Das Problem ist, ihn für vollständige Sicht zu halten. Marketing-Profis vergessen die Technologie. Product Guys vergessen das Marketing. Technikteams optimieren eine Architektur, bevor geklärt ist, ob jemand das Produkt braucht. Designteams lösen sehr elegant ein Problem, das gar nicht das wichtigste ist.
Deshalb gehört fehlende Expertise genauso in die Projektplanung wie Zeit und Geld. Wenn sie intern nicht vorhanden ist, muss sie von außen kommen. Wir holen uns bei Silberpuls beispielsweise SEO-, PR- oder Technologiepartner dazu, wenn ein Projekt sie braucht. Wir verstehen uns in solchen Fällen als Architekt. Und auch der kann nicht immer selbst mauern.
Der Endgegner ist die Demokratie ohne Verantwortung
Am häufigsten begegnet uns die Illusion, ein Unternehmen oder Projekt wäre eine Demokratie. Eine Gruppe netter Menschen setzt sich zusammen, gründet etwas und irgendwie will jeder bei allem mitreden.
Das kennen wir auch intern. Unser Silberpuls Management ist bewusst mit unterschiedlichen Stimmen besetzt. Das ist gut. Trotzdem braucht es klare Verantwortung und eine saubere Aufgabenteilung. Sonst sind wir ein Hühnerhaufen, keine Entscheider.
In Projekten fällt fehlende Verantwortung besonders schnell auf die Füße:
Gründergruppen wollen gemeinsam entscheiden und treffen dadurch gar keine Entscheidung. Oder sie einigen sich auf einen faulen Kompromiss, bei dem jeder sein Lieblingsfeature behalten darf. Das Produkt hat anschließend keinen klaren Fokus.
Ein Projektgremium darf wochenlang über Geschmack diskutieren, obwohl allen klar ist, dass irgendwann der Gang nach Canossa zum eigentlichen Chef folgt. Dann beginnt ein Teil der Arbeit von vorn.
Entscheidungen bleiben liegen, weil niemand das Risiko tragen will. Dadurch rutscht die Timeline. Und Zeit bedeutet, etwas unromantisch gesagt, Geld.
Bei Silberpuls sagen wir oft: Meistens sind wir nicht der Bottleneck. Das ist keine Kritik an Kunden. Ein Logo, eine Marke oder die Logik eines Produkts sind wichtige Entscheidungen. Natürlich muss man darüber schlafen. Aber das Projekt muss wissen, wer am nächsten Morgen entscheidet.
Bei einem Branding-Projekt hilft deshalb die Frage „Welche Identität wollen wir vermitteln?“ mehr als eine Abstimmung über Lieblingsfarben. Wir übersetzen die Antwort in visuelle Identität und Sprache. Für eine Website gehen wir im UX/UI-Webdesign einen Schritt weiter: Welche Information braucht der Besucher zuerst, was soll er verstehen und welchen nächsten Schritt soll er machen? Darüber lässt sich vernünftig entscheiden. Über „Ich finde Blau schöner“ eher nicht.
Was du vor dem Start klären solltest
Wer aufmerksam bis hierher gelesen hat – bitte bei uns melden, ihr bekommt ein Eis von uns – stellt fest: Es ist eigentlich ganz einfach, nicht gleich alle Fehler zusammen zu machen.
Bei Silberpuls beginnen Projekte deshalb mit einem Kick-off. Wir versuchen, den in zwei bis drei Stunden durchzubekommen, damit jeder noch frisch in der Birne ist. Dabei klären wir vor allem drei Dinge.
Es gibt genau einen Entscheider
In Projekten mit Unternehmen wie SIXT oder Deichmann entsteht die Entscheidungshoheit oft aus klaren Rollen. In Gründerteams wird es schwieriger, weil alle Co-Founder sind. Auch dann muss vor dem Start feststehen, wer am Ende entscheidet. Das heißt nicht, dass nur eine Person denken oder sprechen darf. Es heißt, dass Diskussionen ein Ende haben.
Erkenne deinen Blindspot
Mit vielen Projekten in der Tasche sehen wir relativ schnell, auf welchem Auge wir oder der Kunde blind sind. Diese Außenperspektive ersetzt keine Fachdisziplin. Sie hilft aber, fehlende Disziplinen früh zu erkennen. Genau dafür kann ein UX-Audit sinnvoll sein: nicht um eine hübsche Liste von Problemen zu produzieren, sondern um zu priorisieren, welche davon vor einem Launch wirklich gefährlich werden.
Sei realistisch mit deinem Budget
Wir alle kennen das: Auf Instagram siehst du dein Traumauto oder deinen Traumpartner. Nicht immer passt der oder das zu deinem Budget. Und das geht meistens schief.
Wir schaffen deshalb früh Klarheit darüber, was mit dem vorhandenen Geld erreichbar ist. Das heißt nicht, Projekte kleinzureden. Manchmal streichen wir gemeinsam Features. Manchmal verschieben wir Teile in eine spätere Version. Manchmal müssen wir auch sagen, dass eine Erwartung in Design oder Technologie nicht zum Budget passt. Das ist weniger sexy als ein großes Versprechen. Aber deutlich hilfreicher.
Auch die Umsetzung gehört früh in diese Rechnung. Bei unserer Webentwicklung wählen wir die Plattform nach dem Projekt: Wie komplex sind die Abläufe? Wer pflegt später Inhalte? Welche Anbindungen sind nötig? Ein passendes CMS und eine saubere Übergabe sind keine Extras für irgendwann. Sie entscheiden mit darüber, ob du deine Website nach dem Launch selbst betreiben kannst.
Und dann geht nichts mehr schief
Schön wär’s, oder?
Erfahrung ist keine Versicherung gegen das Scheitern. Sie hilft dabei, Probleme früher zu erkennen. Unser Team hat über 900 Projekte gesehen. Dadurch erkennen wir Muster, die in einem einzelnen Projekt noch wie ein überraschender Sonderfall wirken.
Wir können nicht garantieren, dass dein Unternehmen erfolgreich wird. Das wäre unseriös. Wir können aber dafür sorgen, dass Produkt, Website, Shop oder Marke eine realistische Größenordnung, einen klaren Fokus und die richtigen Menschen am Tisch bekommen. Damit geht immer noch etwas schief. Nur eben deutlich seltener aus den Gründen, die wir schon 50-mal gesehen haben.





